ERNÄHRUNGS-BASICS TEIL 2.3: Fett - Keine Fete ohne Fett

Keine Fete ohne Fett? Fett macht nämlich Laune. Als Energiespeicher, beim Membranaufbau und bei der Signalvermittlung. Energiespeicher? Ja sicher, wir wissen ja, dass Fett mit ca. 9 kcal/g den solidesten Brennwert hat, daher macht es schon Sinn für schlechte Zeiten zu hamstern was die Nähte halten. So ganz nebenbei liefert Fett die fettlöslichen Vitamine Phyllochinone, Tocopherole, Retinol und Calciferole. Wo wir gerade eben noch beim Speichern waren, wo haben wir wohl die höchste Fettkonzentration im Körper? Richtig, im Fettgewebe und zwar in Form von Triacylglycerine als formschöne Wohlstandspocke, die als subkutanes Fettgewebe bekannte mollige Isolationsschicht und als Polster an den Fußsöhlchen oder auch z.B. den Nierchen. Das ist auch eine ganz gute Sache, wenn‘s nämlich mal nichts zu Fressen gibt (wir erinnern uns: Säbelzahntiger) kommen wir damit eine Weile klar. Was haben wir noch geschrieben? Ach ja, Membranaufbau, was eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass Phosphoglyceride, Sphingolipide und das ach so böse Cholesterin Bausteine der Plasma- und intrazellulären Membranen sind. Also zum Beispiel Mitochondrien und Lysosomen. Bleibt noch die intracorporale „Buschtrommel“. Kein Fett bedeutet keine Stoffwechselregulation und das ist gleichbedeutend mit keinem Wachstum (quasi zero Gainz, um weiter fleißig zu „denglischen“) und keine Differenzierung, weil halt niemand im Körper weiß, was los ist und was als nächstes ansteht. Zudem stellen Lipide bei der Signaltransduktion (damit ist die Reaktion von Zellen auf äußere Reize gemeint) den second messenger dar.

Ergo sagen wir brav Danke liebes Lipid und das aus noch einem anderen Grund: Alle Steroidhormone, auch das gute alte Testosteron und so lustige Konsorten wie Prostaglandine sind Lipide. 

Kommen wir mal zu den gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Fettsäuren als solche verfügen über eine Kohlenwasserstoffkette und eine Carboxylgruppe. Aus diesem Aufbau ergibt sich im Normalfall ihr Name. Soll heißen, eine gesättigte Fettsäure mit 18 C-Atomen heißt Octadecansäure. Ich bin jetzt im Kopf irgendwie bei Adinosintriphosphat. Klingt genauso scheiße. Deshalb gibt es im Regelfall einen Gebrauchsnamen, z.B. Alphalinolsäure. 

Also, wo ist jetzt der Unterschied zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Gesättigte Fettsäuren enthalten nur Einfachbindungen, ungesättigte Fettsäuren dagegen eine oder mehrere Doppelbindungen. Letzteres trifft auf mehr als die Hälfte aller in Tieren und Pflanzen vorkommenden Fettsäuren zu. Das ist deshalb wichtig, weil der Schmelzpunkt einer Fettsäure stark gesenkt wird, wenn eine oder mehrere Doppelbindungen vorhanden sind. Soll heißen, wenn dem nicht so wäre, wären z.B. Speicherlipide bei Körpertemperatur starr, weil in ihnen besonders viele Fettsäuren mit 16 und 18-C Atomen enthalten sind. Das nenne ich jetzt mal ganz vorsichtig unkomfortabel. 

„Hey, aber es gibt auch die ganz krassen supersatten Fettsäuren!“ – Nö, es gibt aber die ziemlich bekannten mehrfachungesättigten Fettsäuren die einem quasi überall in der Werbung entgegenspringen. Bei den Genossen ist das verzwickte, dass wir nicht die nötigen Enzyme besitzen, um die Teile zu synthetisieren. Also, was tun? Richtig, über die Nahrung aufnehmen. Daher nennt man die Truppe auch ganz gerne essentielle Fettsäuren, Beispiele dafür wären Linol- und Linolensäure. 

Merke: Fett hat Derivate. Unter anderem Prostaglandine, Thromboxane und Leukotriene. Diese drei entstehen hauptsächlich aus Arichidonsäure, welche 20 C-Atome hat. Daher nennt man sie auch, nach dem griechischen Wort für 20, Eicosanoide. Sie werden als Gewebshormone bezeichnet. Dazu kämen noch Lipoxine und Resolvine, welche erst vor kurzem entdeckt wurden. Diese Hormone entstehen in den meisten tierischen Geweben und sind dafür verantwortlich Hormone und andere Stims umzumodulieren.

Als nächstes stehen die Glycerinlipide auf dem Plan. Ebenfalls mehrfach ungesättigte Kameraden. Bei allen Glycerinlepiden ist als Struktur der Alkohol Glycerin enthalten, der wiederum 3 Hydroxylgruppen aufweist. Wenn wenigstens eine davon an eine Fettsäure gekoppelt oder vielmehr auch verestert ist, dann spricht man hier von einem Acetylglycerin. Und wie nennt man das, wenn alle drei Hydroxylgruppen Fette besitzen? Richtig Triacetylglycerin. Die anderen beiden wären dementsprechend Mono-, bzw. Diacetylglycerine. Sie sind der Menge nach nicht besonders wichtig, dienen aber im Gewebe zum Auf- und Abbau von Triacetylglyceriden und sind damit doch wieder top. Die wiederum sind unterschiedlich zusammengesetzt, was deshalb wichtig ist, da sich dadurch ihre Eigenschaften ändern. Je länger die enthaltenen Kohlenstoffketten, desto höher der Schmelzpunkt und je mehr Doppelbindungen vorhanden sind, desto niedriger. Wale zum Beispiel brauchen Subkutanes Fett, also das Fett was unter der Haut liegt mit ziemlich niedrigen Schmelzpunkt (damit das Fett auch, wenn‘s zu gut Deutsch arschkalt ist, nicht hart ist). Daher haben sie auch eine besonders hohe Anzahl an…na? Irgendjemand? Genau Triacetylgruppen in ihrem Fettgewebe. Quasi: Form folgt Funktion.

So. Es gibt noch eine weitere Gruppe von Glycerinlipiden und zwar die Phosphoglyceride, die von der Menge her häufigsten Bestandteile von Membranen der Tiere. Sie werden unterteilt in Phophatidylcholin, -ethanolamin, -serin und –inositol. Außerdem unterteilt in Lysophophoglyceride, Glycosyl-Phosphatidyl-Inositol-Anker, Cardiolipin und Plasmalogene.

Fehlen noch die so genannten Sphingo- und Glykolipide die vor allem im ZNS sehr hoch konzentriert vorkommen, also nicht ganz unwichtig. „Das reicht aber jetzt mit dem trockenen, wissenschaftlichen Fachgesimpel!“ Leider nein, denn es fehlen noch die Isoprenoide. Deren Grundbaustein ist Isopren, naja und sie spielen z.B. in der Biosynthese von Glykoproteinen eine wichtige Rolle. Mal ganz davon ab sind alle Steroide (nein, ich rede nicht von „Stoff“) Derivate von Isopren. Und tja, was ist der Ausgangspunkt aller in Tieren vorkommenden Steroiden? Richtig, das gute alte Cholesterin. Ich könnte jetzt noch etwas über das Lösungsverhalten von Lipiden in Wasser schreiben, mache ich auch: Im Regelfall unlöslich aber in der Lage teilweise geordnete Strukturen zu bilden.

So damit wäre der Crashkurs zu den Makronährstoffen beendet, aber keine Sorge, die Serie „Ernährungsbasics“ ist noch lange nicht vorüber. STAY HUNGRY & STAY TUNED…

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